Kreativstart

09:45

Der Tag beginnt. Wir sind da, es kann losgehen. Die letzten Wochen hatten wir das Privileg einige Gratistickets an Studierende verschenken zu dürfen \o/ Natürlich gibt’s  auch wieder Livetweets. Wer es nicht hergeschafft hat, soll schließlich auch was mitbekommen!

10:00

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Die Begrüßung ist kurz und prägnant. Ok, nicht ganz so kurz, wie hier zusammengefasst, sinngemäß könnte ich sie aber wiedergegeben mit: „Hallo Bürgermeister“ – „Hallo Kreativstart“ – und wieder ab ins Rathaus zur nächsten Veranstaltung. Aber – und jetzt mal ganz ernst: Die bürgermeisterliche Begrüßung ist ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für die Kreativbranche und die Gründerszene seitens der Stadt.

10:15

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Dann wird es sehr plötzlich sehr anders. Vergängliche Kunst steht plötzlich im Mittelpunkt. Yasha Young, Direktorin von Urban Nation, dem „Museum, dass es eigentlich gar nicht geben dürfte“, erzählt von ihrem einzigartigen Museum for Urban and Contemporary Art.

10:45

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Die großen philosophischen Fragen treten bei Dirk van Gehlen ganz nebenbei auf. Und auch die Ankündigung für den Vortrag war nicht unbedingt… bescheiden: „Wie man kreativer wird, wenn man keine Ahnung hat“.

Fest steht – dass es viele Wege gibt etwas zu tun und sich die Welt entwickelt. Wir können daneben stehen und schimpfen, dass das so nicht geht, wir können althergebrachte Methoden verwenden um an neue Herausforderungen (vermeintlich) zu lösen oder wir versuchen uns von dem zu lösen, was wir als „war schon immer so“ gelernt haben. Nicht ganz einfach. Hat ja auch niemand behauptet. Und wenn’s nicht klappt? Was soll’s? ¯\_(ツ)_/¯

11:30

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Die folgende Geschichte ist eine, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte. So oft wird von den großen tollen Umbrüchen gesprochen, die Startups, die die Mobilität revolutionieren und so weiter und so weiter. Die kleineren Probleme in den Kinderzimmern tauchen nicht unbedingt in den Kommentarspalten zu StartUps auf – aber sie beschäftigen Menschen und sie sind Märkte. Marcus Stahl  und Patrik Faßbender haben so ein Problem kennengelernt, dass ich ziemlich gut nachvollziehen kann.

In meiner eigenen Kindheit wurden im Supermarkt noch Hörspielkassetten verkauft. Manchmal (aber natürlich nicht oft genug) konnte ich auch eine haben. Vor allem habe ich mir aber Hörspielkassetten aus der Gemeindebibliothek ausgeliehen, bevor ich dann so richtig lesen konnte (oder wollte).

Wie ist das heute? Kassetten sind ein solides Medium, werden aber nicht mehr in dem Umfang produziert. CDs im Kinderzimmer? Der Verschleiß ist garantiert! MP3-Player? Wie auswählen? Die Kinder können ja nicht lesen. Die Eltern schalten ein? Auch keine Lösung. Also entwickelten Marcus und Dominik die Toniebox. Eine Box mit zwei Ohren. Das größere macht lauter, das kleine leiser. Um auszuwählen, was man hören will, wird eine kleine Plastikfigur auf die Box gestellt. Die Box erkennt, welche das ist – und los gehts. Durch Neigung und klopfen wird durch das Stück navigiert. Ohne lesen und Kratzer und ohne zurück in die 80er zu reisen.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt von Marcus Stahl: Gründung mit 40 ist auch kein Problem. Man muss nicht der junge Absolventengründer sein – Der Erfolg seines Startups war maßgeblich davon abhängig, das berufliche Netzwerk zu haben, dass er sich davor aufgebaut hatte.

12:30

13:30

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Ab jetzt wird es schwierig. Zu viele interessante Themen gleichzeitig… Themen, über die man Bescheid wissen sollte, Themen die interessant sind… Mein erster Weg führte mich zu „Vertragsgestaltung und allgemeine Geschäftsbedingungen für Agenturen, Designer und Kreative Projekte“. An einem anderen Tag wäre ich hier sicher voll aufgegangen. Jetzt war mir das aber ein zu dickes Brett, dass hier inhaltlich gebohrt wurde. Also weiter zu Mira Kleine und Stephanie Hock von der MFG Baden-Württemberg und der Session „Test, Test, Eins Zwei! Methoden zur Überprüfung von unternehmerischen Annahmen, Ideen und Prototypen“. Zwar kam ich jetzt hier etwas später – aber mir muss zum Glück auch niemand mehr erzählen, was die MFG macht ;). Also rein ins Thema. Hier steht Testing auf dem Programm. Ein Begriff, der gerne in der Softwareentwicklung verbunden wird. In der Session wird aber schnell klar – auch ein Müsliriegel will getestet werden, auch ein Flyer will getestet sein oder auch ein Kunstprojekt.

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Tests müssen dafür nicht einmal groß angelegt sein. Laut der beiden Referentinnen reichen oft schon 5 Tester um rund 80% der Stolpersteine zu finden. Wichtig ist dabei, offen zu bleiben. Den eigenen Prototypen nicht zu verteidigen und auf Fragen mit intelligenten Rückfragen zu reagieren. „Wo finde ich diese Funktion?“ „Wo würdest du sie instinktiv erwarten?“ „Dort!“ – dann wisst ihr wo sie hinsoll! Keine Diskussion und keine weitere Erklärung nötig! Übrigens auch eine ziemlich coole Erfahrung: Von der Bühne runter sagen – Jetzt findet euch mal in… naja.. geschätzt 6er-Gruppen zusammen und das funktioniert. Da hatte ich schon ganz andere Erfahrungen gemacht… 😉

14:30

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Viel getestet und analysiert hat Kerstin Rank von ehrensache D/V. Ihre Upcycling-Marke „Bag to Life“ bietet insbesondere Produkte aus Luftfahrtbeständen. Der Klassiker, die gelbe Tasche aus der ausgemusterten Schwimmweste ist ein Lifestyleprodukt geworden, z.B. auch von der Lufthansa gekauft und gegen Bonusmeilen eingelöst werden kann.

Der Blick auf den Einzelhandel ist für sie hingegen schwierig: Der kleine Einzelhandel orientiert sich oft an den großen, während den großen durch Web-Konzerne das Geschäftsmodell wegbricht. Es hilft nichts, einmal gelernt zu haben wie Vertrieb funktioniert. Wir befinden uns im digitalen Wandel und müssen neu lernen. Ausprobieren und lernen.

15:30

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Kommen wir nun zu etwas völlig anderem. Zu etwas, dass für viele Gründerinnen und Gründer richtig unangenehm ist – scheinbar besonders unangenehm in der Kreativbranche: Preisverhandlungen.

Dr. Mathias Scheiblich hat da einen ziemlich klaren Rat: Der Preis wird nicht verhandelt. Es gibt Stundensätze und die gelten. Klar, kannst du dich ausbeuten, aber aus dem Teufelskreis kommst du fast nicht mehr heraus. Versuche zu verstehen mit wem du es zu tun hast, mach das was du wirklich kannst und dann ist es das Geld auch wert.

Über einen Preiskampf gewinnst du vielleicht einen Auftrag, aber wenn du deine Kosten ehrlich betrachtest, verlierst du dadurch mehr als du gewonnen hast.

16:45

Sich in Karlsruhe auf eine Bühne zu stellen und schwäbisch zu schwätzen muss man erst mal können. Dominik Kuhn a.k.a Dodokay kann es. Mit seinem Klassiker zu Viralem Marketing eröffnet er den Vortrag zu… klar. viralem Marketing.

Naja nicht ganz, denn das wird er nicht müde zu betonen, ist meistens virale Werbung gemeint. Da ich aber gewohnt bin, dass Menschen nicht zwischen Werbung, PR, Marketing und Vertrieb unterscheiden wollen, spare ich mir auch hier die Zusammenfassung seiner Definition.

Also betrachten wir virale Werbung. Kein neues Konzept. Virale Videoclips sind seit bald 20 Jahren im Netz unterwegs und auch der Begriff der viralen Werbung ist bald so alt. Was früher Emailpostfächer verstopft hat, konnte sich bald über soziale Medien entfalten. Eine Art Blütezeit viraler Werbung – die in der Regel übrigens nicht agressiv ein Produkt bewirbt. Kaum jemand möchte plumper Multiplikator für die Geschäftsinteressen anderer sein. Geteilt wird viel mehr ein guter Clip, der eben „zufällig“ auch ein Markenimage aufpolieren kann.

Interessant für den Umsatz kann es werden, wenn das Image geschaffen wurde und dann mit etwas Abstand ein Produkt klassisch beworben wird.

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Und was macht es viral? Klar. Emotionen. Die Neuro-Trigger. Sich gegen die durch rationale Überlegungen zu wehren ist ziemlich schwierig.

Ok – das Video ist super – also hochladen und los geht? Leider nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Dominik spricht hier aus Erfahrung. Mit seinen „Die Welt auf Schwäbisch“-Clips hat er riesige Reichweiten und eine große Fanbase aufbauen können. Inzwischen werden solche Clips allerdings künstlich zurückgehalten und kommen erst durch ein bisschen finanziellen Nachdruck beim sozialen Netzwerk zum Publikum.

17:30

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Ein Tag mit so vielen Eindrücken will mit einer Zusammenfassung abgeschlossen werden. Die gaben Toba & Pheel per Beatbox & Freestyle. Und wer vorher nicht aufgepasst hatte, durfte auch ein neues Wort lernen: „Überforderungsbewältiungskompetenz“. Und nun versucht das mal zu rappen…